Meilensteine der Vereinsgeschichte

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Rötz

Eine Hilfsorganisation wird ins Leben gerufen

"Gott zur Ehr - dem Nächsten zur Wehr"

Es ist schwer zu sagen, woran es gelegen hat, dass das Feuerlöschwesen im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts so viel an Bedeutung erlangen konnte und allerorts "Feuerwehrcorps" als eigenständige Vereine aus der Taufe gehoben wurden. Die meist verheerenden Brandkatastrophen, die in vielen Städten und Dörfern Schlimmes anrichteten und denen die Bewohner mit ihren spärlichen Feuerlöschrequisiten machtlos gegenüberstanden, gaben sicher mit den Ausschlag dafür, an eine Verbesserung zu denken, um "aus dem Schlendrian im Löschwesen heranzukommen, der vielerorts noch vorherrsche".

Eine Freiwillige Feuerwehr in Hamburg hätte den großen Brand, der in der Hansestadt vom 5. bis 8. Mai 1842 wütete und bei dem in 75 Straßen 4.219 Wohnhäuser und drei Kirchen zerstört wurden und der 100 Menschenleben kostete, wohl eben so wenig verhindern können, wie eine örtliche Feuerwehr 1840 den großen Stadtbrand in Rötz oder andernorts. Die Erkenntnis, dass das Bestehende nicht mehr ausreichen würde, war durchgedrungen. Der gute Wille, etwas Besseres ins Leben zu rufen, führte schließlich zur Einführung von Feuerwehren. Man tat gut daran, es dem Bürger selbst in die Hand zu geben und ihm Verantwortung zu übertragen. Diesen Gedanken griff Bayern, vor allem die Landesregierungen, auf und wies die Kgl. Bezirksämter an, die Gründung von Feuerwehren voranzutreiben. Die Bezirksamtsvorstände entwickelten dabei eine äußerst wirksame und erfolgreiche Tätigkeit. Die Zahl der im Königreich Bayern existierenden Feuerwehren stieg von acht im Jahre 1855 auf 2.929 im Jahre 1876. In Regensburg schlossen sich am 20. Januar 1858 zahlreiche Bürger zu einer Feuerwehr zusammen. In unserem Raum folgte diesem Beispiel die Stadt Furth im Wald am 03. Juni 1863, die Stadt Neunburg vorm Wald im Juni 1863, die Stadt Cham am 15. Oktober 1864, der Ort Tiefenbach am 01. März 1865 als älteste Wehr im Altlandkreis Waldmünchen und die Stadt Waldmünchen am 26. November 1865.

Die Bezirksämter versuchten vor allen Dingen die Stadt- und Gemeindeverwaltungen für sich zu gewinnen, was nicht schwer fiel, denn mit der Gründung eines Feuerwehrvereines konnten diese nicht nur eine ihnen obliegende Pflichtaufgabe abwälzen, sondern wie später noch ausgeführt wird, auch die Gemeindekasse entlasten. So konnte es den Gemeinden nur recht sein, wenn ihnen diese Arbeit abgenommen wurde. Es erging daher an die Bürger, von denen man annehmen konnte, dass sie sich zu einem Beitritt entschließen würden, ein Aufruf folgenden Inhalts:

"Nachdem jetzt allerorts freiwillige Feuerwehren entstehen, welche berufen sind, Leben und Eigentum der Ortsbürger gegen Feuersgefahren zu schirmen und schützen, so soll auch unsere Stadt nicht mehr länger in der Einrichtung einer geübten und schlagfertigen Feuerwehr zurückstehen. Alle diejenigen, welche sich an der Bildung eines so nützlichen Vereins beteiligen wollen, sind deshalb eingeladen, sich in der nachfolgenden Liste einzuschreiben und bei der hierzu stattfindenden Versammlung sich einzufinden."

 


 

 

Der 19. November 1868, der Geburtstag der FFW Rötz

Eine derartige Versammlung wurde in Rötz am 19. November 1868, am Namenstag der Hl. Elisabeth von Thüringen, abgehalten. In welchem Gasthaus diese denkwürdige Zusammenkunft stattfand, ist leider nicht überliefert. Bezirksamtmann Köfferle versuchte in einer Ansprache die anwesenden 55 Bürger von der Notwendigkeit und Wichtigkeit einer Feuerwehr in Rötz zu überzeugen. Magistratsrat Johann Stichaner wurde zum Obmann gewählt. Er gelobte in der Hand des Kgl. Bezirksamtmanns, dass er nach besten Kräften die Interessen des Vereins wahren werde. Die folgenden 38 Männer ließen sich zu einem Beitritt überreden, der vorerst ein Jahr Gültigkeit haben sollte und trugen sich in die Grundliste ein. Die Freiwillige Feuerwehr Rötz war aus der Taufe gehoben.

Die Teilnehmer der Gründungsversammlung:

Josef Baumann, Kaminkehrer
Blab Josef, Schneider
Brandl Anton, Bäcker
Brandner Josef,
Brandner Nikolaus, Weißgerber
Brauhaus Julis, Stadtschreiber
Braunmüller Georg,
Decker Michael, Bäcker
Feldkirchner Josef, Zimmerergesell
Fischer Andreas,
Fischer Josef,
Frey Josef, Stricker
Hofmann Georg, Fischer
Hofmann Karl, Schuhmacher
Hofmann Josef, Schuhmacher
Killermann Andreas, Messerschmied
Killermann Ludwig, Messerschmied
Krämer Josef, Hafner
Kraus Josef, Wegmacher
Nothass Michael
Peter Johann, Schullehrer
Reichl Anton, Kufner
Reisinger Anton, Schmied
Riederer Georg, Handelsmann
Rötzer Hans
Schmidt Jakob, Lederer
Schmidtler Franz, Metzger
Sieß Georg, Hufschmied
Sieß Josef
Sieß Michael, Botensohn
Stichaner Johann, Kupferschmied
Sturm Emeran, Schulgehilfe
Sturm Georg,
Thamer Johann, Metzger
Udart Wolfgang, Schreiner
Winklmann Michael
Zwicknagl Johann
Zwicknagl Wolfgang

Vier Tage nach der Gründungsversammlung informierte Obmann Stichaner den Magistart der Stadt Rötz, dass sich eine Freiwillige Feuerwehr gebildet habe und bat um Überlassung einer der zwei in Rötz vorhandenen Löschmaschinen und sonstiger Feuerlöschrequisiten. Das Schreiben selbst hatte folgenden Inhalt:

 

"Hochlöblicher Magistrat der Königlichen Stadt Rötz

Indem sich der ergebenst Unterzeichnete die Ehre gibt, anzuzeigen, daß sich unterm 19.d.Mts. unter Leitung des kgl. Bezirksamtsvorstandes des Herrn Bezirksamtmannes Koefferle dahier eine freiwillige Feuerwehr konstituierte, wird Abschrift der von den zur Zeit bestehenden 39 Mitgliedern derselben festgesetzten Statuten mit dem Ersuchen vorgelegt, diese Satzung vom Magistrate genehmigt, dem Königl. Bezirksamte zur distrikpolizeilichen Genehmigung vorzulegen.

Hierbei wird dieser junge, dem Wohl der Gemeinde so ersprießliche Verein der Sorgfalt des Magistrates und der Lokalpolizeibehörde angelegentlichst anzuempfehlen und die Bitte auszusprechen sich erlaubt, demselben alle mögliche Bei- und Amtshilfe angedeihen zu lassen, insbesondere ihm zur Erreichung seines edlen Zweckes von den beiden städtischen Feuerlöschmaschinen, wenn möglich, die größere und sämtliche sonst noch vorhandenen Feuerlöschrequisiten zu überlassen.

Hochachtungsvoll!

Eines hochlöblichen Magistrats

Gehorsamer Obmann

Stichaner"

 

Hierauf erging vom Stadtmagistrat am 24. November 1868 der einstimmige Beschluss,

 

1. die von dem Feuerwehrcorps unterm 23.d.Mts. in Vorlage gebrachten Statuten localpolizeilich zu genehmigen,

2. dieselben dem Köngl. Bezirksamte zur distriktpolizeilichen Genehmigung vorzulegen und

3. diesem Coprs die große Löschmaschine, sämtliche vorhandenen Feuerleitern und Wassereimer und sonstige Löschgerätschaften bis auf weiteres zur Disposition zu überlassen.

 

Mit der sog. "distriktpolizeilichen Genehmigung" durch das Bezirksamt Waldmünchen am 25. November 1868 waren die formellen Hürden genommen und die Freiwillige Feuerwehr Rötz konnte frisch ans Werk gehen.

 


Text aus: Festschriften der FFW Rötz