Vom Wassereimer zur Motorspritze

Die ersten Löschrequisiten

Die Freiwillige Feuerwehr Rötz blickt inzwischen auf eine über 140 Jahre währende Vereinsgeschichte zurück. Im Laufe dieser Zeit wurden immer wieder verschiedenste Ausrüstungsgegenstände angeschafft, um die Wehrmänner bei ihren Einsätzen zur Brandbekämpfung und Personenrettung zu unterstützen.

Dabei fing alles sehr bescheiden an.

Mit der Gründung der FFW Rötz am 19. November 1868 ging es einher, dass die Stadtverwaltung dem Gesuch des Obmannes Stichaner nachfolgte und dem jungen Verein die größere von zwei Feuerlöschmaschinen und alle vorhandenen Leitern, Eimer und sonstige Feuerlöschgerätschaften bis zur weiteren Disposition überließ.

Alsbald stellte sich jedoch heraus, dass eine der beiden Löschmaschinen aus dem Jahre 1792 stammte. Die zweite dürfte vermutlich genauso "betagt" gewesen sein, denn die veralteten Gerätschaften waren sehr reparaturanfällig und bereiteten den Verantwortlichen großes Kopfzerbrechen.

Am 3. August 1868, also noch vor der Gründung der FFW, begutachtete z.B. eine "Commission" bestehend aus Bürgermeister Blab, "Communalverwalter" Kellner, Stadtschreiber Bauhauser und dem Schlosser Andreas Schmidtler als Sachverständigen die Löschmaschinen und Gerätschaften der Stadtgemeinde und stellte dabei erhebliche Mängel fest.

 


 

Die erste, eigene Landspritze

Da der Bitte der Feuerwehrführung, die in Schönthal stationierte Spritze, in Rötz zu stationieren vom Bezirksamt Waldmünchen ebenfalls nicht nachgekommen wurde, dauerte es noch viele Jahre, bis schließlich die Stadt Rötz am 19. Juni 1885 bei der Löschmaschinen-Fabrik und Glockengießerei G.A. Hermann in Schweinfurt eine mittelgroße Landspritze mit Saugwerk und verschiedenen Requisiten zum Preis von 900 Mark bestellte.

Die Herstellerfirma beschrieb die Spritze in ihrem Prospekt unter Nr. 5 folgendermaßen:

"Nr. 5, Mit zwei 100 m/m. weiten Cylindern liefert ca. 180 Liter pro Minute (55 Doppelhube), Wurfweite des Strahl ca. 26 Meter, Preis mit Saugw. Mk. 900, Preis ohne Saugw. Mk 720. Die Spritze verlangt 8 Mann zum pumpen. Requisiten werden beigegeben. 30 Meter Hanfschläuche in drei Abtheilungen mit Normalgewinde versehen, ein Strahlrohr, zwei Mundstücke und die erforderlichen Schraubenschlüssel. Als Saugspritze kommen dazu: 7 Meter elastische Saugschläuche in vier Abtheilungen mit Verschraubung, ein Seyher, ein Seyherkorb und ein Schlauchsattel."

Handdruckspritze

 


 

Eine Leiter für die Wehr

Etwa 26 Jahre später, im Jahre 1894, war der wichtigste Tagesordnungspunkt der Generalversammlung vom 07. Oktober die Anschaffung einer Schubleiter und deren Finanzierung. Im Gespräch war damals eine Nürnberger Balance-Leiter C, Größe Nr.1, Länger 5,50 Meter, Steighöhe 10 Meter zum Preis von 475 Mark aus dem Fabrikat von Justus Christ Braun in Nürnberg.

Um die Schubleiter ging es im Wesentlichen auch bei der Generalversammlung am 26. Januar 1895. Man kann dazu lesen:

"... im Betreffe der Schubleiter wurde bekanntgegeben, daß außer den Zuschüssen von der Staatskasse zu 250 Mark, der Feuerwehr zu 50 Mark, der Gemeinde zu 50 Mark nunmehr auch vom Distrikt 30 Mark bewilligt wurden, so daß noch 20 Mark zu decken waren. Die Versammlung erklärte einstimmig, daß außer der im Beschluß vom 7. Oktober d.J. genehmigten 50 Mark Zuschuß, die nunmehr nicht zu einer Braun'schen, sonder zu einer Lottholz'schen Schubleiter gegeben werden sollen, ein weiterer Zuschuß aus Vereinsmitteln der Freiw. Feuerwehr nicht mehr zu gewähren ist, da die Schubleiter Eigentum der Gemeinde ist und die Feuerwehr überhaupt im Interesse und zum Wohle der Gemeinde Dienst leisten!"

Im April 1895 war es dann soweit, die neue Schubleiter wurde an die FFW übergeben. Dazu ein Bericht aus dem Waldmünchner Amtsblatt Nr. 41 vom 13. April 1895:

"Rötz, 11. April. Die hiesige Stadtverwaltung bezog von der Firma Friedrich Lottholz in Regensburg eine neue mechanische Schiebeleiter. Die Prüfung der Leiter und Uebergabe derselben an die hiesige Freiwillige Feuerwehr fand durch einen Vertreter obiger Firma in Gegenwart der Mitglieder der Stadtverwaltung sowie der Feuerwehr und eines zahlreichen Publikums statt. Die Aufstellung der Leiter, welche auf einem zweirädrigen Wagen ruht und von sehr gefälligem Aussehen ist, ist eine ungemein leichte und rasche, die Terrainregulierung durch Querspindelsystem von ausgezeichneter Wirkung. Die Tragfähigkeit und Stabilität sowie Steigungsfähigkeit der Leiter entspricht den höchsten Anforderungen. Ein Angriff mit der Leiter durch drei Mann nahm incl. Besteigung derselben die Zeit von etwa 50 Sekunden in Anspruch. Das Gesamtresultat war ein ausgezeichnet zufriedenstellendes."

 


 

Die erste Motorspritze

Am 21. April 1921, gegen 1:15 Uhr, kam es nächst der Liedlsäge in der Bernrieder Straße zu einem nach heutigen Maßstäben bemessenen Großfeuer. Dieses Brandunglück war der Anlass, dass sich die Verantwortlichen mit der Beschaffung einer Motorspritze befassten. Am 28. April hatten sich die Bürgermeister der sog. „Eisenbahninteressentengemeinschaft Rötz" zu einer Besprechung zusammengefunden, um eine Vereinbarung zur gemeinsamen Anschaffung einer Motorspritze auszuarbeiten. Diese Interessengemeinschaft, die 1892 ins Leben gerufen wurde und der die Gemeinde Rötz, Hillstett, Hetzmannsdorf, Grassersdorf, Gmünd, Steegen und Bernried angehörten, verfügten noch über einen Geldfond, der für die Finanzierung der Motorspritze Verwendung finden sollte. Die Gemeindevorstände einigten sich, dass von der Stadt Rötz eine Spritze anzuschaffen und im Feuerhaus unterzustellen ist, die von der übrigen Gemeinde in gleicher unentgeltlicher Weise benützt werden kann.

Die Wahl des Rötzer Stadtrates fiel auf eine zweirädrige "Flader-Benzin-Motorspritze Type IIa" der Firma E.C. Flader in Jöhstadt in Sachsen mit einem Vierzylindermotor ca. 25 PS mit einer vierstufigen Flader-Hochdruck-Zentrifugalpumpe ganz aus Bronce mit einer minutlichen Wasserlieferung von ca. 800 Ltr. bei 80 m Förderhöhe in der Ausführung mit Elastikbereifung, Rollenlagern, Kotflügel und Bremse, sowie Stahlrohrdeichsel mit federnder Anhängevorrichtung, wie sie in der Auftragsbestätigung vom 12. Oktober 1929 beschrieben wurde.

Der Anschaffungspreis für die "Flader", die am 29. Oktober 1929 in Rötz eintraf, betrug 7.000 RM zuzüglich 400 RM Aufpreis für einen Anlasser. Das Staatsministerium des Inneren förderte den Ankauf mit 3.180 RM.

Zur ordnungsgemäßen Handhabung der Motorspritze erließ der Stadtrat am 23.12.1929 folgende Betriebsvorschriften:

"Die durch die Stadtgemeinde Rötz bei der Fa. Flader in Jöhstadt i.Sa. angekaufte Motorspritze hat:

1. Überlandhilfe zu leisten.
2. Sie ist in einem vorschriftsmäßigen, nötigenfalls heizbaren Unterstellraum unterzubringen.
3. Beförderungsmittel und das notwendige Schlauchmaterial sind bereitzustellen.
4. Das Gerät ist alle 3 Jahre fachtechnisch zu untersuchen und etwa vorgefundene Mängel jeweils „Sofort" zu beheben.
5. Die vorhandenen 2 Saug- und Druckspritzen sollen nicht veräußert, sondern immer gebrauchsfertig gehalten werden.
6. Anregungen des die fachtechnische Untersuchung vornehmenden Sachverständigen und des bayer. Landesfeurerwehr-Ausschusses und seiner Organe sind zu beachten.
7. Für geeignte Wasserentnahmestellen ist Sorge zu tragen."

Flader Motorspritze

Damit war es geschafft. Nach über 60 Jahren konnte die Freiwillige Feuerwehr Rötz das erste Mal eine motorbetriebene Spritze in Dienst stellen. Es sollten aber weitere 23 Jahre vergehen, bis ein neues - und damit das erste - Fahrzeug beschafft werden konnte.

 


Texte in Teilen aus: 125 Jahre - Freiwillige Feuerwehr Rötz 1868 - 1993 (Festschrift anl. des 125 jährigen Gründungsfestes)